Die Werkssiedlung Oberdorstfeld wird Denkmal des Monats Januar 2019!

(Text: Stadt Dortmund/Denkmalbehörde)

Denkmal des Monats Januar 2019: Etwas Besonderes – die Werkssiedlung Oberdorstfeld

Schon seit Mai 2017 läuft ein Hof- und Fassadenprogramm für die Werkssiedlung Oberdorstfeld. Noch bis Dezember 2020 werden Instandsetzungen durch die Denkmalbehörde Dortmund gefördert und der Topf ist bei weitem noch nicht leer. Im Rahmen des Denkmals des Monats sollen daher für Januar 2019 sowohl die denkmalgeschützte Siedlung als auch das Förderprogramm vorgestellt werden.

Architektur gegen Arbeiterflucht

Verlässt man in Dorstfeld, im sogenannten Oberdorf, die stark befahrenen Zufahrtsstraßen zur Universität oder zur Autobahn und geht in eine der Nebenstraßen, befindet man sich im Nu in einer unerwarteten Idylle: Schöne Vorgärten, schmale Straßen mit hohem Baumbestand und kleine Plätze prägen die ehemalige Werkssiedlung Oberdorstfeld. Sie wurde ab 1913 im Auftrag der Zeche Dorstfeld errichtet und sollte Bergleute stärker an ihren Betrieb binden. Rund 100 Bergarbeiterfamilien hatten bis dahin die Zeche Dorstfeld verlassen, weil sie keinen Wohnraum fanden. Durch den Bau von 150 Einheiten in einer "Colonie, welche in gesundheitlicher, wirtschaftlicher und schönheitlicher Hinsicht allen heutigen Anforderungen entsprechen soll", versprach man sich eine bessere Verwurzelung der Beschäftigten.

Zwar lässt sich die Bebauung auf vier Grundtypen von Häusern zurückführen, was die Kosten minderte. Unterschiedliche Dach- und Giebelformen, abweichende Gruppierungen im Straßenbild und abwechslungsreiche Details vermitteln aber den Eindruck individuellen Bauens. Ausgehend von der Idee der Gartenstadt entwarf der Essener Architekt Oskar Schwer ein Ensemble, das sich wohltuend von der Monotonie früherer Werkssiedlungen abhebt und das er "halbländliche Industriesiedlung" nannte. Entscheidend für die Attraktivität der Anlage waren die großzügig dimensionierten Vor- und Hausgärten: bis heute für die Eigentümer ein Plus an Wohnqualität. Die optische Individualität erleichterte in den 1980er Jahren zwar den Verkauf an einzelne Eigentümer, aber der Erhalt des historischen Gesamtbildes wurde schwieriger. Es kann ja recht unterschiedliche Wünsche geben, den Wohnkomfort anzupassen oder zu modernisieren.

Hof- und Fassadenprogramm

Um hier steuernd einzugreifen, genießt die Werkssiedlung Oberdorstfeld seit 1993 als einziger Denkmalbereich Dortmunds besonderen Schutz. Eine Gestaltungsfibel informiert die Eigentümer bei notwendigen oder gewünschten baulichen Veränderungen. Ein 2017 aufgelegtes Hof- und Fassadenprogramm will die Eigentümer auch finanziell unterstützen. Bis zu 50 % Förderung kann man erhalten, wenn man sich an die Vorgaben hält – wichtig ist: erst beantragen, dann beginnen! Einzelheiten dazu und ein Antragsformular findet man auf den Seiten der Denkmalbehörde Dortmund Werkssiedlung Oberdorstfeld. Bei Fragen hilft auch die Interessengemeinschaft Zechensiedlung Oberdorstfeld, die Adressen von guten Fachfirmen gesammelt hat. Dass sich ein Antrag lohnt, formuliert ein Eigentümer so: "Eine gute Haustür aus Holz, stabil und denkmalgerecht, kostet rund 5.000 Euro. Da kriegt man dann die Hälfte aus dem Förderprogramm zurück. Den Rest von 2.500 Euro kann man noch bei der Steuererklärung einsetzen. Da nehme ich auch mal zwei Anträge in Kauf."

Vorher - Nachher

Bislang 17 Maßnahmen, die Freiflächen und Gebäude denkmalgerecht aufwerten, listen die Förderrichtlinien auf. Bei einem Rundgang fallen die neuen Fassadenanstriche ins Auge. Hinzu kommen Fensterläden in der historischen Form und Pflanzenrankgitter. Vielfach saniert wurden auch die historischen Einfassungsmauern der Grundstücke. An anderen Gebäuden nahm man entstellende Fassadenverkleidungen ab, öffnete vermauerte Fenster, setzte Haustüren aus Holz in historischer Form ein oder pflasterte den Zugang wieder wie vor hundert Jahren mit roten Klinkern. Sogar versiegelte Vorgärten erhielten ihre Bepflanzung zurück.

Vorher:

(Bild: Stadt Dortmund/Denkmalbehörde, Susanne Maluck)

Nachher:

(Bild: Stadt Dortmund/Denkmalbehörde, Anneke Lamot)

Tipp für "Auswärtige"

Wer nicht in Oberdorstfeld wohnt und sich gern ein Bild machen möchte, sollte sich jeweils den zweiten Sonntag im September merken. Dann ist Tag des offenen Denkmals, an dem die Interessengemeinschaft oftmals die Siedlung Oberdorstfeld mit Führungen und weiteren Aktionen vorstellt. In Zusammenarbeit mit Kooperationspartnern gibt es häufig ein anspruchsvolles Rahmenprogramm. Wer nicht so lange warten möchte, kann die Siedlung auch auf eigene Faust entdecken. Mit Tafeln an prominenten Punkten informiert die Interessengemeinschaft über Geschichte und Leben in Oberdorstfeld.


Previous Next